Fundraising im Gesundheitswesen – mehr als nur Spendensammlung
Unter Fundraising versteht man die systematische Analyse, Planung, Durchführung und Kontrolle sämtlicher Aktivitäten die darauf abzielen, benötigten Ressourcen (Geld-, Sach- und Dienstleistungen) durch eine konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen der Ressourcenbereitsteller (Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, öffentliche Institutionen) zu möglichst geringen Kosten zu beschaffen.
Der Begriff „Fundraising“ leitet sich aus dem englischen Wort „fund“ (= Mittel, Kapital) und dem Verb „to raise“ (= etwas aufbringen)[1] ab.
Der Begriff Fundraising geht also über die reine Spendenbeschaffung hinaus, weil es hier nicht nur um Kapital in Form von Geldspenden, sondern auch andere Ressourcen geht.
So ist es für eine Organisation nicht nur interessant durch Fundraising Geldbeträge, die für die Bezahlung der benötigten Sach- und Dienstleistungen benötigt werden, einzuwerben, sondern solche Leistungen auch direkt zu bekommen. Interessant ist diese direkte Form der Unterstützung, die im Englischen auch „Non-cash Assistance“ genannt wird, vor allem für Unternehmen, für die seine eigenen Sach- und/oder Dienstleistungen wesentlich günstiger sind, als der entsprechende Gegenwert in Geldform. Schließlich liegen die Unternehmenskosten für eine eigene Sach- und/oder Dienstleistung in der Regel weit unter dessen Verkaufswert.
In Kliniken wird eine breite Klaviatur an Fundraising-Instrumenten eingesetzt. In der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit sind dies: Neben den Basismaterialien ist das am meisten Erfolg versprechende Instrument das Mailing an existierende und potenzielle Spender. Viele Kliniken gründen zudem Förderstiftungen. Diese sind steuerlich für Großspender und Testamentsspender attraktiv, zugleich haben sie ein exklusiveres Image als Fördervereine und sind damit für die Bindung von Großspendern wichtig. Weiterhin wird Erbschaftsmarketing eingesetzt. Danach folgen die Akquise von privaten Großspendern sowie von Unternehmen als Unterstützer.
Eine weitere wichtige Einnahmequelle ist die Antragstellung auf Förderung bei externen Stiftungen. Die meisten Organisationen haben bereits Benefizveranstaltungen zum Spenden-Sammeln durchgeführt. Bußgeldmarketing, Sammlungen und Mitarbeiter-Spenden werden von den Kliniken nur vereinzelt durchgeführt. Eine Sonderstellung nehmen Capital Campaigns ein: sie werden von den meisten Klinik-Fundraisern als sehr wichtig erachtet, bisher wurden aber nur wenige Kampagnen im Bereich Gesundheitswesen in Deutschland durchgeführt.
Public Private Partnership
Eine öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) oder (als Fremdwort aus dem Englischen) Public-private-Partnership (PPP) ist eine vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft in einer Zweckgesellschaft. Ziel von ÖPP ist die Arbeitsteilung, wobei der private Partner die Verantwortung zur effizienten Erstellung der Leistung übernimmt, während die öffentliche Hand dafür Sorge trägt, dass gemeinwohlorientierte Ziele beachtet werden. Die öffentliche Hand erwartet von der Partnerschaft mit der privaten Wirtschaft die Entlastung der angespannten öffentlichen Haushalte, da der private Unternehmer die Finanzierung ganz oder teilweise selbst besorgt und daher auf die Wirtschaftlichkeit des Projektes achten muss. ÖPP ist in der Regel einem Miet- oder Pachtvertragsverhältnis ähnlich.
Öffentlich-private Partnerschaften sind in der Regel langfristig und beziehen große Unternehmen aus der Privatwirtschaft mit ein. Meist in Verbindung mit riesigen Infrastrukturprojekten wird dieses Finanzierungsmodell vermehrt angewendet. Als Verkaufsargument gilt, den öffentlichen Auftraggeber zu entlasten, indem der private Partner einerseits die Finanzierung übernimmt und ihm andererseits sämtliche Risiken abnimmt. Dieser bezahlt mit seinem Geld öffentliche Aufgaben wie Schulsanierungen oder den Bau von Autobahnen und kassiert dafür Miete oder Maut. In Wahrheit ein cleveres Geschäft, vorausgesetzt auf den privaten Partner ist Verlass.
Eines der ersten Länder, die die beworbenen Vorteile des modernen PPP-Modells für sich nutzen wollte, war 1992 das Vereinigte Königreich zur notwendigen Errichtung von Krankenhäusern.
Die erhofften Vorteile von PPP-Projekten:
- Realisierung von Großprojekten, ohne die öffentlichen Schulden erhöhen oder die Steuern anheben zu müssen.
- Betriebs- und Projektumsetzungsrisiken werden von der Regierung auf den privaten Teilnehmer übertragen, welcher in der Regel mehr Erfahrung in der Kostendämpfung hat.
- Der ROI ist höher als bei Projekten aus rein staatlicher oder rein privater Initiative.
- Schnellere Projektabschlüsse und weniger Nachtragskosten aus Eigeninteresse des privaten Partners an einem positiven Projektabschluss.
- Innovative Design- und Finanzierungsansätze werden verfügbar, wenn beide Einheiten zusammenarbeiten.
- Die effizientere Projektabwicklung entlastet das öffentliche Haushaltsbudget. Staatliche Mittel können somit in andere wichtige sozioökonomische Bereiche umgeleitet werden.
[1] Ja, auch der Begriff etwas oder jemanden „aufreißen“ leitet sich daher ab 🙂